Corona-Chronik (4): Wut

Vor zwei Monaten hat Corona unser Leben verändert. Der Kindergarten und die Tagespflege wurden geschlossen. Wir Eltern wurden in Home Office geschickt. Erst kam die Freude darüber, dass wir vier zuhause bleiben und unser gestresster Arbeit-Kinder-Haushalt-Alltag etwas entschleunigt wird. Darauf folgte die Überforderung wegen der Doppelbelastung. Dann haben wir uns angepasst, indem wir die Arbeit und unsere Ansprüche an uns selbst reduziert haben. Nun folgt… die WUT!

Corona und die Kinder

Während die Öffnung aller möglichen Einrichtungen für Erwachsene – Restaurants, Geschäfte, Fitnessstudios, Campingplätze, Schwimmbäder – bekanntgegeben wurden, mussten Kinder und Eltern lange warten. Mit einer Verzögerung wurde der Öffnungsplan für die Kitas in NRW vorgestellt. Laut diesem Plan darf unser Vorschulkind ab dem 28. Mai in den Kindergarten, sein 1 Jahr und 10 Monate alter Bruder darf ab Juni für zwei Tage zur Tagesmutter.

Wie toll, dachte ich , dass wir endlich die Klarheit haben. Das Vorschulkind wird das wichtige Kapitel „Kita“ einigermaßen geordnet abschließen, das Kleinkind bekommt zwei Tage liebevolle Betreuung und Spiele mit Gleichaltrigen und wir können währenddessen konzentriert arbeiten! Ich atmete erleichtert auf!!!

Kinder sind systemrelevant

Dann erfuhr ich, dass das nicht zwei Tage pro Woche, sondern zwei Tage insgesamt sind! Bis zu den Sommerferien!! Also zwei Tage Betreuung bis September!!! Ist das ein Witz?!

Wenn ich die Bilder sehe, wie die Menschen jetzt in den Kneipen Bier trinken, in den Fitnessstudios ihre Quarantäne-Pfunde abtrainieren oder dicht bei einander Schlange stehen, um neue Gardinen oder Bücherregale zu kaufen, dann überkommt mich Wut. Warum dürfen Erwachsene sich auf Kosten von den Jüngsten amüsieren? Und auf Kosten von den Eltern? Nur weil diese kein Lobby haben? Es ist wichtig, den Menschenkörper vom bösen Coronavirus zu schützen, aber was ist mit der Psyche von den isolierten Kindern und überforderten Eltern? Die meisten von ihnen betreffen die Kita-Öffnungen nicht.

Dabei sind Kinder systemrelevant! Schließlich zahlen sie in der Zukunft unsere Rente (Stichwort: Generationenvertrag). Wenn wir gerade dabei sind, unsere in zwei Monaten hart erarbeiteten Erfolge bei der Corona-Eindämmung zu verspielen, dann überlasst das lieber den Profis: den Kindern!

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