Corona-Chronik (1): Entschleunigung

Jetzt ist es passiert, das Virus hat ab jetzt direkten Einfluss auf unser Leben. Wir sind zum Glück nicht krank und kennen niemanden, der krank ist. Aber: Seit heute (16.03.2020) dürfen unsere Kinder nicht zur Tagesmutter und in den Kindergarten gehen.

Kinder spielen im Sandkasten

Heute habe ich sowieso keinen Dienst und bleibe mit Kindern zuhause. Normalerweise würden wir an so einem Tag etwas unternehmen: Eis essen, einkaufen gehen – oder zumindest auf den Spielplatz . Jetzt machen wir zuhause Gymnastik. Zum Frühstück gibt es warmen Brei statt Käsebrot aus der Dose. Mittags schaukle ich den Kleinen in den Schlaf und backe mit dem Großen einen Kuchen. Das tut gut.

Wir sind eine „After-Work-Familie“: Unter der Woche jonglieren wir mit bunten Terminbällen in unserer Kalender-App: Arbeit, Kinderbetreuung, Hobbys, Haushalt. Jedes Familienmitglied hat seine Farbe, die Tage sind bunt, da kommt man schnell durcheinander. Am vergangenen Samstag ist mir klar geworden, dass wir auch an Wochenenden nicht wirklich frei haben.

an der Tafel ist geschrieben: "Zuhause ist es am schönsten"

Am Samstagmorgen erfahre ich aus den Nachrichten, dass Tirol in Österreich jetzt zum Corona-Risikogebiet zählt. Alle Menschen, die  zwei  Wochen davor dort waren, sollen für 14 Tage in Quarantäne bleiben. Wir sind vor 13 Tagen aus einem Kurzurlaub in Österreich gekommen. Ich sage meinen Termin beim Physioth

erapeuten ab. „Okay, wie Sie möchten… Ich persönlich mache bei der Hysterie nicht mit“, sagt der junge Mitarbeiter lächelnd am Telefon. Auch der Termin beim Friseur wird abgesagt. Der Fünfjährige darf die Samstagsschule schwänzen, obwohl der Unterricht stattfinden soll. „Wir kommen. Man kann das Kind eh nicht fünf Wochen lang einsperren“, schreibt eine Mutter. Im WhatsApp-Chat entscheidet sich die Hälfte der Eltern, ihre Kinder an diesem Samstag doch nicht zum Unterricht zu schicken.

Wenn die Termine und der übliche Wocheneinkauf am Samstag nicht stattfinden, dann bleibt uns nicht anderes übrig, als uns mit uns selbst als Familie zu beschäftigen. Nie früher war ich so froh, dass wir einen Garten haben. Die Kinder spielen im Sandkasten, während ich ein altes Gestrüpp vom letzten Herbst wegmache. Warum habe ich das nicht bereits vor Monaten gemacht? Die Blumen müssen auch endlich gedüngt werden. Da steht er, der heimliche Gewinner der Coronakrise: unser Garten. Und dieses Blog – schließlich habe ich seit einem halben Jahr wieder Mal Zeit, hier zu schreiben.

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