Warum ich eine deutsche Mutter bin

Dass ich als Mutter ziemlich deutsch bin, habe ich vor allem während der Reise nach Belarus gemerkt. Woran genau?

  • Ich koche auf Vorrat und friere den Babybrei in Döschen ein, auf denen ich
    ordentlich Datum und Inhalt schreibe.
  • Ich habe schlichtweg keine Zeit, täglich frischen Brei zu kochen. Dazu meint die Kosmetikerin in Minsk: „Die Zeit muss man sich nehmen – und keine Ausreden!“ Sie schafft es immerhin mit ihren drei Kindern und zwei Jobs.
  • Das Wort „Zucker“ auf einem Beikost-Gläschen wirkt auf mich wie rotes Tuch.
  • Im Unterschied zu weißrussischen Müttern und Omas kann ich nicht jeden Tag Pfannkuchen backen. Zum großen Bedauern meines ältesten Sohnes.
  • Immerhin trinkt er am liebsten Wasser und lehnt Limo ab. Zum großen Erstaunen weißrussischer Kinder.
  • Ich gebe meinem Baby kein Antibiotikum bei Erkältung – trotz ärztlicher Verordnung.
  • Ich lasse das Baby und mich wegen Bronchitis nicht hospitalisieren – trotz ärztlicher Überweisung. Statt ins Krankenhaus fahre ich mit ihm in eine andere Stadt. Der Blick der weißrussischen Kinderärztin in Minsk lässt mich spüren, dass ich eine Verbrecherin bin.
  • Mein vierjähriger Sohn hat kein Tablett und kennt noch keine Shooter-Spiele.
  • Ich „vergesse“ die Pistolen und andere Spielzeugwaffen in den Koffer einzupacken, die er in Belarus geschenkt bekommen hat.
  • Ich schicke ihn um 20 Uhr ins Bett. Wenn das nicht klappt, gibt er zwei Stunden später freiwillig auf. Seine gleichaltrigen Cousinen in Minsk bleiben wach so lange wie die Eltern. Und sei es bis drei Uhr nachts. 
  • Wenn die Kinder eingeschlafen sind, packe ich Brote und Obst in die Dose für meinen Sohn für den Kindergarten. Da backt meine Kosmetikerin in Minsk wahrscheinlich Pfannkuchen auf Vorrat. Oder sie lackiert sich ihre immer perfekten Fingernägel.

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