Karneval mit und ohne Kinder

Ich kann mich gut an meinen ersten Karneval im Februar 2007 in Köln erinnern. Zuerst war ich von all den jubelnden Menschen, ausgefallenen Kostümen und lauten Geräuschen fasziniert. „Was geht hier ab? Das ist ja verrückt!“ dachte ich. Doch je später die Stunde, je niedriger die Temperatur draußen und je höher der Alkoholgehalt bei den Jecken, desto ungemütlicher wurde es.

Rosenmontagszug in Köln, 2007

Als ein paar blaue Zwerge neben mir in eine Pfütze aus Körperflüssigkeiten plumpsten, wollte ich nur noch raus. Seitdem lebten wir friedlich nebeneinander: der Karneval und ich. Über ihn zu berichten war spannend; besonders berichtenswert fand ich die politische Satire aus Düsseldorf. (Sorry, Köln!) Selbst mitmachen? Nein danke, bin noch nicht integriert genug.

Karneval mit Kindern

Mein Sohn belebte unsere Beziehung wieder. Kinder und Karneval sind einfach wie für einander gemacht: bunt, laut, süß! Der Kindergarten wird zum Schlaraffenland. Zum Frühstück gibt es Popcorn und Berliner. Die Erzieherinnen verwandeln sich in Einhorn, Minnie Mouse oder Karlsson. Auf der After-Kita-Party bei den Freunden geht es weiter mit ungebremster Freude und Süßigkeiten-Konsum. Der Höhepunkt sind natürlich die Umzüge.

„Ich freue mich schon auf Kamelle!“ sagt mein Sohn auf dem Weg zu unserem ersten diesjährigen Karnevalszug im benachbarten Stadtviertel. Ich schiebe den Kinderwagen mit dem Baby vor mich hin und versuche den Nieselregen zu ignorieren. Wir kommen zu spät, der Zug läuft schon, die besten Plätze sind besetzt. Mein vierjähriger Sohn ist nicht so schnell wie die Schulkinder, die ihm die Süßigkeiten vor der Nase wegschnappen. Ich kann sie auch nicht fangen; muss den Kinderwagen mit Baby bewachen. Nach einer Viertelstunde heißt es: „Finito!“ Das war der letzte Wagen. Mein Sohn schaut in seine Tüte mit drei Bonbons, schaut zu mir hoch und fängt an bitterlich zu weinen. Dann läuft er hinter dem Müllwagen her und sammelt die zerquetschten Süßigkeiten auf. Es kann nur besser werden!

Karneval und Kinder
Karneval mit Kinder geht besser als ohne

Am nächsten Tag bei einem anderen Umzug geht es entspannter zu. Es ist nicht so voll, doch in der Tüte landet auch hier nicht viel. Am dritten Tag sind wir bei einem Umzug auf der „falschen“ Rheinseite. Die Karnevalisten hier sind sehr großzügig. Mein Sohn ist inzwischen ein Profi-Karnevalist. Er ruft laut „Kamelle!“ und singt „Kölle Alaaf“ mit. (Wer hat ihm bloß den Text beigebracht?)

Die Ausbeute kann sich sehen lassen: Zwei Jute-Beutel sind voll mit Popcorn, Gummibärchen, Schokolade, Waffeln und Traubenzucker. Zuhause wird alles fleißig sortiert, dann wild zusammengeworfen und Karneval gespielt. Ich soll mich mit dem Baby vor die Treppe stellen und „Kamelle“ rufen. Der Große wirft uns die Süßigkeiten von oben zu. Wir sammeln sie auf und jubeln. So macht Karneval Spaß. Seine dunklen Seiten bleiben uns erspart. So spät sind junge Eltern eh nicht draußen unterwegs.

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