Der ganz normale Familienwahnsinn

Kennt ihr den Film “Der ganz normale Wahnsinn“? Der hat mir schon mal aus der Krise geholfen. Das war im Wochenbett nach meiner ersten Geburt. Der Schock von den Geburtsschmerzen, der Schlafmangel und der Hormonabfall trieben mich an den Rand einer Depression.  Ich verkroch mich mit dem Baby aufs Sofa, machte die Rollos runten und stellte das Handy auf lautlos. Zum Glück lief der oben erwähnte Streifen im Fernsehen. Darin spielt Sarah Jessica Parker eine „working mum“. Ich lachte lautstark, als ich sah, wie Kate das Chaos ihres Lebens zwischen Kuchenbasar, Geschäftsterminen und Kita-Läusen zu organisieren versuchte. (Seitdem würde ich jeder frisch gebackenen Mutter neben Brustwarzenkompressen und Sitzbädern ein paar leichte Komödien verschreiben.) Na warte, dachte ich mir, Milcheinschuss, Schlafentzug und hängender Bauch sind erst die Blümchen; die Beerchen kommen noch!

Viereinhalb Jahre später bin ich im wahnsinnigen Familienalltag angekommen. Neulich am Sonntag zum Beispiel. Gegen 7 Uhr wurde ich durch beidseitige Tritte geweckt. Das Baby zur Rechten, das Kindergarten-Kind zur Linken. Ich packte die Beiden und schlich mich aus dem Schlafzimmer raus.  Schade für mich, aber an dem Sonntag war mein Mann dran mit dem Ausschlafen. 

Bei der Zubereitung des Frühstücks ging es fast idyllisch zu. Meine beiden Sonnen und die Omelett-Eier lächelten mich an. Am Nachmittag war der Große auf einem Kindergeburtstag eingeladen und wir drei bei einer Freundin. Ich wollte etwas Leckeres backen. Backmischung beiseite! Ein toller, ganz gesunder Kuchen ohne Mehl und Zucker musste her! Während ich Haferflocken, Karotten und Bananen vermischte, wurde die Stimmung in der Bude immer mieser. Der Große war gelangweilt. Er fragte zum hundertsten Mal, wann er endlich zu seinem ersten „Kindergeburtstag O.E.“ (ohne Eltern) gehen darf. Um 15 Uhr, in fünf Stunden, sagte ich. Er vernichtete mich mit seinem Blick und sagte: „Dann kaufe ich dir nie Rosen!“ Ich tat so, als ob ich ganz gekränkt wurde, und flüchtete in den Keller die Waschmaschine beladen. Wieso nahm ich bloß keine Kopfhörer mit?

Das Baby wurde ungeduldig und quengelte ununterbrochen. Der Große fragte zum zweihundertsten Mal, wann er endlich zur Party gehen darf. Noch drei Stunden, sagte ich. Er griff zur schärfsten Waffe: „Mama, dann lade ich dich nicht zu meinem Geburtstag ein!“ „Gut! Dann wirst du keinen Geburtstagskuchen haben!“ sagte ich laut. „Vielleicht besser so…“ dachte ich leise in mich hinein, während ich einen Blick auf den Backofen warf. Mein toller Kuchen ging nicht auf. 

Die Rettung war nahe! Der ausgeschlafene Ehemann kam die Treppe herunter. „Hier!“ drückte ich ihm das Baby in den einen Arm und den Babybrei in den anderen Arm. Ich kippte Backpulver in den restlichen Teig nach und schob eine andere Form in den Ofen: „Hex, hex,  die zweite Kuchenschicht geh auf!“ Ich hörte Alexa „Bibi und Tina“ spielen – und auf einmal meinen Mann ganz doll fluchen. Er rannte ins Bad, ich hinterher. „Ich habe versagt!“ sagte er mit dem ganz bekleckerten Baby auf dem Arm. „Ich auch,“ zuckte ich mit den Schultern.

 Am Ende schafften wir es irgendwie doch noch. Wir kamen zu spät. Das war nicht so schlimm, weil die Freundin sich auch verspätete. „Trotz generalstabmäßiger Planung“. Schließlich hat sie auch zwei kleine Kinder. Mein Kuchen war zwar nicht so schön wie auf dem Rezept-Foto auf Instagram. Dafür konnte man ihm auf jeden Fall ansehen, dass er nicht gekauft war. Zumindest schummelte ich nicht. Im Unterschied zu Kate aus dem Film, die den gekauften Kuchen mit Puderzucker bestreute und ihn für einen selbst gebackenen ausgab.

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